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01.09.2014

Kommentar zur Woche

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Guten Tag, liebe Leser

Begonnen mit Theaterdonner, mit einem  künstliches Geräusch, einer theatralischen Illusion, so kann man Starts von Verhandlungen bezeichnen. Denn erst einmal trumpft jede der Seiten mit übertriebenen Forderungen auf - um sich später bei einem Kompromiss zu treffen. Bei Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden ist das immer so.

Und als Theaterdonner sollte man auch das bezeichnen, was die Vertreter der Ärzte heute auf den Verhandlungstisch knallen, wenn man zwischen Kassenärzten und Krankenkassen über Honorare spricht. Um fünf Milliarden Euro sollen die Honorare steigen, die die Kassen den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten zahlen. So wollen es die Medizinerfunktionäre. Doch bevor wir alle grollen: Das ist der übliche Theaterdonner. Man übertreibt fürchterlich um später einem geringeren Angebot - eines, dass man jetzt schon im Auge hat - zuzustimmen.

Denn wer am lautesten schreit, wird am stärksten gehört. Ein ermüdendes Ritual jeder Tarifrunde zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften.

Dass Arbeitnehmervertreter aus Erinnerung an streitbare Zeiten diesen Theaterdonner auch heute noch entfachen, nennen wir es Tradition. Doch dass auch die Vertreter der selbstbewussten und stolzen Selbstständigen dies nötig zu haben scheinen - das macht betrübt.

Schon langweilig wirkt das Spiel, bei dem Ärzte über das klagen, was sie angeblich nicht bezahlt bekommen und dabei auf die Finanzpolster der Kassen verweisen. Letztere wiederum zeigen dann erbost auf die Honorare der Mediziner, die sie für hoch genug halten. Ein bekanntes, ein unerfreuliches, ein langweiliges Spiel.

Am Ende wird es - wie stets - einen Kompromiss geben. Traurig aber ist, dass der Honoraranstieg einvernehmlich und leise bestimmt werden könnte. Er muss berechnet werden aus Inflation und steigendem Behandlungsbedarf. Das geht eigentlich geräuschlos und ohne Theaterdonner. Aber dazu sind Funktionäre wohl doch nicht fähig. Warum auch immer.

Ihnen eine angenehme Woche

Ihr

Reinhold Haimüller

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