Bitte geben Sie einen Suchbegriff ein:

23.05.2013

Kommentar zur Woche

Foto Kommentar

Guten Tag, liebe Leser

Natürlich hat der Fall alles, was unsere Schadenfreude bedienen kann:  Uli Hoeneß, der Steuerhinterzieher. In Beziehung zum vielerorts wenig geliebten FC Bayern stehend, kann man schnell von „Abstieg“ sprechen und Häme über Hoeneß ausgießen.

Vielleicht etwas unfair, aber im Fall Hoeneß kann man von „selbst Schuld“ sprechen. Denn hätte er nicht stets den „Saubermann“ gegeben, wer weiß, wie die aktuelle Diskussion derzeit verlaufen würde. Talkshow-Sätze wie „Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern“ und „Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein“, zeigen jetzt eine nachhaltige Wirkung.

Dennoch kann man fragen, ob Großmetzger und Fußballmanager Hoeneß diese Häme und Spott  verdient. Immerhin ist er mit Wohnsitz in Deutschland geblieben und hat nicht den Weg vieler Reicher ins benachbarte Ausland gesucht.

Eines darf man im Fall Hoeneß nicht übersehen: Sein Einkommen hat er versteuert (da gibt es unter den Reichen im Land durchaus welche, die dies nicht tun). Bei ihm geht es offenbar „nur“ darum, dass er die Zinserträge auf Anlagen aus versteuertem Vermögen vor der deutschen Kapitalertragssteuer in der Schweiz versteckt hat.

Dennoch: Es war - gemessen an seinen eigenen Worten - ein Eigentor. Aber eines, dass uns, eben wegen des prominenten Falles, die Blick verstellt auf eine politische Diskussion: Wie nämlich geht Deutschland mit seinen Steuerflüchtlingen um? Das geplatzte Steuerabkommen mit der Schweiz - der Grund warum Hoeneß sich selbst anzeigte - sollte erreichen, dass prominente Steuerhinterzieher sich an die Behörden wenden und wenigstens ein Stück weit steuerehrlich werden. Gäbe es das Abkommen, hätten wir alle nichts von der dunklen Seite des Uli Hoeneß erfahren.

Was hätten wir verloren, wenn wir nichts von der Schuld des Fußballmanagers wüssten? Nichts, außer einem wenig Unterhaltung weniger, dass uns diese kleine Affäre nun bietet.  Hoeneß befriedigt nun unser aller Unterhaltungsbedürfnis, darf Opfer unserer Häme und unseres Spotts sein. Klar, Hoeneß ist jetzt als Heuchler entlarvt. Was aber wäre schlimm gewesen, wenn er seine neue Steuerehrlichkeit im Stillen hätte beweisen können?

Die Angst vor den gekauften Steuer-CDs aus der Schweiz geht um. Vielleicht sollten wir uns entscheiden was wir wirklich wollen: etwas Geld in die Kasse des Staates gespült oder einen neuen Kick, wenn Prominente Opfer werden und wir unsere Häme ausgießen können über die Dummheit, Anmaßung, Großherrlichkeit und Angst der Promiopfer. Denn wären sie nicht prominent, niemand würde einen Witz über sie machen...

Ihnen eine angenehme Woche
Ihr
Reinhold Haimüller

versenden Artikel an folgende E-Mail-Adresse versenden: 

drucken Artikel drucken

kommentieren Kommentieren Sie diesen Artikel

Ihr Kommentar




Leserbeiträge zu diesem Artikel (3)

21.11.2012, 06:33 | Frontsoldat, Heimbach: CDU-light
30.10.2012, 12:37 | Swen, Jülich: Der Nächste...
19.10.2012, 11:37 | Carsten, Dremmen: die Medien