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30.07.2016

Kommentar zur Woche

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Guten Tag, liebe Leser

Lernen wir in diesen Wochen mit dem Terror zu leben? Gewöhnen wir uns an den täglichen Terror, den jederzeit möglichen Terroristenanschlag im eigenen Land? Ein Gedanke, der gar nicht so weit weg ist, denken wir an die Taten von Würzburg, München, Nizza, Ansbach und jetzt in der Kirche in der Normandie. Der Terror wird alltäglich - und damit auch die Nachrichten darüber.

Lange Zeit haben wir in Deutschland nicht mehr darüber diskutiert, wie man mit den Nachrichten über Terrorakte umgehen sollte. Ich meine nicht die Nachricht, sondern die Art der Berichterstattung. Was wir in den letzten Wochen nämlich erlebten, war die vielfache Übernahme von  Videos aus dem Internet ins Fernsehen. Es waren Videos, während der Tat aufgenommen und sofort ins Netz hochgeladen. Sie waren es, die wir Minuten später schon im TV sahen.

Angefangen mit dem Terroranschlag in Nizza bis zum Horrorabend in München - plötzlich sehen wir die Bilder der Taten in den Nachrichten. Fast live. Ungeschnitten. Die Todesfahrt des Lkw in Nizza, die Schüsse des Amokläufers in München - aufgenommen von Handykameras, gesendet in TV-Live-Sendungen.

Man muss die Frage stellen: Muss das sein? Ja, werden die TV-Stationen antworten. Sie verweisen darauf, dass das Filmmaterial sowieso im Netz ist. Man übernehme im Sinne der allgemeinen Berichterstattung nur das, was sowieso im Netz ist. Das ist sicherlich richtig, aber ist es klug?

Geben die Fernsehstationen so den Tätern nicht eine zusätzliche Bühne? In Paris erleben wir vor Wochen einen Terroristen, der den Mord an einem Polizistenpaar live bei Facebook streamte. Sieht so die Zukunft bei Terrorakten aus? Liveübertragungen bei Facebook und Twitter sind jedenfalls für jeden machbar.

Wir sollte darüber diskutieren, ob es für TV-Sender wirklich sinnvoll ist, Handyvideos aus dem Netz bei Terrorakten fast live in den Sendungen zu zeigen. Geben wir den Terroristen nicht noch eine weitere Bühne. Ihre Anhänger und die zukünftigen Nachahmer der Terrorakte nämlich werden sich daran ergötzen.

Ihnen eine angenehme Woche

 Ihr
Reinhold Haimüller

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